Hans Mendl: Helden wohnen neben an. Lernen an fremden Biografien, Ostfildern: Matthias Grünewald 2020, brosch., 280 Seiten, ISBN 978-3-7867-3177-1, 28 Euro

Ein sehr engagiertes Buch, das vor allem durch seine glaubhafte Bekennerhaltung Respekt erheischt. Die Frage, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht: Wie ändert eine Fülle von beispielhaften sozial engagierten Aktionen und Projekten in und um Passau Leser*innen in anderen Regionen der Republik?
Schon das Vorwort macht unmissverständlich klar, dass die Haltung jedes einzelnen Menschen zu seiner Um- und Mitwelt entscheidend für die Bereitschaft ist, an der Verbesserung der Lebensbedingungen mitzuwirken. Und dass Mendl von seinem
20-jährigen Local-heroes Projekt berichtet und dabei von Mitarbeitern und Studierenden unterstützt wird, beeindruckt ebenso wie seine Argumentationsbasis auf der Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Lehrschreiben von Papst Franziskus und die breite Zustimmung, die seine Projekte in der Region Passau erfahren.
Was mir als sorgsamem Leser unangenehm aufstößt, sind häufige Verstöße gegen Satzbau und Grammatik. Schlampig lektoriert oder wie üblich die Aufgabe dem Korrekturprogarmm anvertraut, das aber weder denkt noch versteht.
Eingeleitet wird das Buch durch ein Bekenntnis zur Kirche für andere und ausführlichen Dank an alle, die das Buch ermöglicht haben.
Vier unterschiedliche Teile gliedern das Buch:
A. Was zu klären wäre                                                      13ff
B. Helden wohnen neben an – die Beispiele                 53ff
C. Das Altruismusgen weitergeben – wie geht das?  237ff
D. Epilog: Helden in den Zeiten von Corona              273ff
Überlegungen zu einer aktuellen Anthropologie und eine Auseinandersetzung mit der Problematik von Heldentum in der Gegenwart bestimmen den ersten Teil. Dabei vermisse ich neben den Bauer-Titeln (24) einen aktuelleren grundsätzlichen Titel[1]. Hilfreich und anregend finde ich die elf Kennzeichen des Heldentums (41ff); bei der Erörterung der Ehrungen fehlt mir eine grundsätzlich kritische Bilanz, die das Missverhältnis zwischen Ehrungen an Männer und Frauen beleuchtet.
Die Beispiele werden in Kategorien eingeordnet, m.E. eine kluge Entscheidung, um gezielt die Neugier der Leser*innen zu wecken.
Man kann bei der Tafel oder bei der Bahnhofsmission mitarbeiten und Armut/Not lindern helfen. Beide Felder (59f + 63f) werden ausführlich kommentiert.
Man kann sich als ehrlicher Finder/Finderin bewähren. Hier setzen didaktische Anregungen ein (76f), die jedoch, wie ich finde, nicht nur für Schüler Denkanstöße liefern.
Man kann beim Sport für FairPlay sorgen (82f); Mendl beschränkt sich beispielhaft auf Fußball.
Beim Aspekt Friedensarbeit vermisse ich schmerzlich die Erwähnung von Pax Christi; dieses Defizit wirft ein Schlaglicht auf nicht immer systematische Vorgangsweise im Buch und beeinträchtigt das christliche Bekenntnis des Verfassers. Bei den Anregungen zur Geflüchteten-Hilfe (108) vermisse ich die Perspektive der Migrant*innen; es wäre doch sinnvoll, deren Schicksal in den Fokus zu nehmen! Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass es in diesem Bereich nicht auch Migrant*innen gibt, die mit ganz anderer Motivation ihrer Integrationsaufgabe nachgehen.
Sehr schön und ermutigend finde ich die Beispiele für generationsübergreifende Hilfe (109ff) und die Überwindung von, den Umgang mit und den Neuanfang nach Handicaps (115ff).
So wichtig ich die Hilfsprojekte für andere Länder und arme Menschen dort finde, so sollte doch auch ein kritischer Blick auf die Spendenwürdigkeit eines Hilfsprojekts gerichtet werden – neben den erwähnten wichtigen Bedenken (125f).
Nachahmenswert sind die Beispiele für Jugendliche, die sich kirchlich engagieren; vor allem die Aktion "Uns schickt der Himmel" des BDK J (148f) verdient bundesweite Nachahmer.
Auffällig bei den Beispielen für die Begleitung kranker und sterbender Menschen (154ff) ist für mich als ambulanter Hospizhelfer – auch hier vor Ort – dass fast nur weibliche Personen an Kranken- und Sterbebetten gewünscht werden. Vielleicht wäre auch Witwer- und Witwenbegleitung eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.
Und für die Beispiele "Leben retten" (167ff) fehlt eine wichtige Information: m.W. verpflichtet die DLRG nach der Abnahme des Leistungsabzeichens jeden Absolventen zur Wasserrettung, wo immer er dazu gebraucht wird. Beherzigenswert scheint mir die Anekdote um den Gleichgültigen (174).
Nachbarschafts- und Katastrophenhilfe werden sehr anschaulich nahegebracht; motivierend wirken die Schilderungen aus der Telefonseelsorge (184ff).
Die Ausführungen zur Organspende verraten eine uneingeschränkt positive Haltung dazu (193) und lassen durchblicken, dass Verweigerer engherzig handeln. Dass der Sterbeprozess durch Organspenden empfindlich gestört wird, vermisse ich dabei.
Krisenintervention, Freiwilligendienst und sportlicher Einsatz für einen guten Zweck sind weitere reizvolle Optionen für ein menschlicheres Miteinander.
Den Schlussstein bildet ein Handeln, das kaum zu trainieren ist: Zivilcourage (230ff). Eine Erörterung über die Frage, wie man altruistisches Handeln erwirbt, beginnt und endet mit den Vorbildern und den Werten, die durch die Familie gesetzt werden. Wie man hineinwächst, zeigen die Projektideen am Schluss des Buches (253ff); welche Probleme sich dabei auftun, zeigen die neuen Entwicklungen im jugendlichen Engagement (281ff). Aphorismen rund um das Vorbild beschließen den Text und führen hinein in einen hoffnungsvollen Epilog (275f). Es folgen ein Literaturverzeichnis (277ff) und Internetadressen (280).

Insgesamt ein Buch der Hoffnung, dem man viele Nachahmer*innen wünscht. Es sollte in keiner Bibliothek fehlen und zur Ausrüstung jedes Lehrers und jeder Lehrerin gehören.



[1]Rutger Bregmann: Im Grunde gut..., Hamburg: Rowohlt 2020