Gabriele Beyerlein: Aja oder Alles ganz anders, Norderstedt: BoD 2020 (= Edition Gegenwind, Bd. 68), brosch., 160 Seiten, ISBN 978-3-750409-95-8

Eine Geschichte vom Ankommen, steht auf der Buchrückseite. Ein 11-jähriges Mädchen, Aja, erlebt, dass sich die Eltern trennen, die Mutter mit ihr eines Berufswechsels wegen umzieht und sie von ihrer Freundin Ronja wegmuss und im Haus einer alten Tante leben, die - wie sie bald erfährt - als 10-jährige von Breslau nach Bayern geflüchtet ist und dort nicht nur die Ablehnung der Dorfbewohner sondern auch ihre beinah unverständliche Mundart ertragen muss.
Aja trifft mit Djamila in dem neuen Ort zusammen und geht mit ihr in die Schule, wo sie Freundschaft schließen und sich auch außerhalb der Schule treffen.
Ihr Vater heiratet erneut und zieht mit der neuen Frau aufs Land - weg von dem Ort, wo auch die Freundin Ronja wohnt - und dann bekommt die Frau ein Kind und Komplikationen damit
Aja durchlebt eine Berg-und-Talfahrt der Gefühle und Stimmungen. Aber sie erfährt, dass Vorurteile trügerisch sein können. Vergleiche zwischen der Tante und ihrem Schicksal und der aus Aleppo geflüchteten Djamila drängen sich ihr auf.
Sie merkt immer wieder, wie gut es ihr geht - im Vergleich.
Beyerlein hat dieses Wechselbad der Gefühle bis hin zu einer sich anbahnenden Schwärmerei für den Bruder einer bewunderten Mitschülerin, Milene, einfühlsam und psychologisch stimmig geschildert. Und immer wieder - wie ich es von ihr kenne - die Perspektive gewechselt und Zeitsprünge eingefügt, wodurch der Kontrast zwischen den Lebensbedingungen von Hildegard 1945, der alten Tante, in dessen Haus sich Aja zunehmend daheim fühlt, und Aja in der Jetztzeit plastisch hervortritt.
Ein Buch der Erinnerung ebenso wie eins der Mahnung, sich nicht auf Klischees zu verlassen, sondern jeden einzelnen Geflüchteten achtsam und wertschätzend wahrzunehmen. Nicht nur für Jugendliche ab 10 Jahren, sondern auch durchaus für Erwachsene, nicht nur für Eltern.