Katrin Linke/Karsten Brensing: Eine Liebe ohne Grenzen. Unsere Flucht aus der DDR, Köln: Bastei Lübbe 2019, hc., 318 Seiten, ISBN 978-3-7857-2648-8, 22 Euro

Minutiös wird eine dramatische Republikflucht kurz vor der Wende geschildert. Zwei Menschen, die sich einig sind, ihr Leben miteinander zu verbringen, sehnen sich nach Freiheit, nachdem der erwünschte Ausbildungsweg bei beiden versperrt ist. Bis Ungarn bleiben die beiden zusammen, nachdem sie über Taschkent und Moskau den Balaton erreicht haben, den sie Richtung Österreich durchschwimmen wollen. Die Hindernisse, die sich trotz vieler hilfreicher Begegnungen auftürmen,sind nicht zu überwinden, und so versucht es Katrin als blinder Passagier in einem kleinen Auto unter der Kofferraumdecke und Karsten schwimmt im schwarzen Neoprenanzug mit Flossen in der Donau Richtung Jugoslawien. Die Mitte des Buchs enthält die bunte Bildergalerie der Flucht (160f).
Eine Menge Rückblicke unterbrechen die Handlung und werden ebenso wie die Beschreibungen und Träume von Katrin zum Ballast der Lektüre: geschätzt ein Drittel wäre ein lesenswerter Roman. bei dem man sich nicht öfter bei dem Gedanken ertappt: muss das jetzt sein?
Glaubwürdig und authentisch wirkt die Geschichte, aber die Figur des Japaners Makoto, der Ausweisfälschungen verheißen hat und dann in Taschkent entgegen der Verabredung nicht auftaucht (97), erweist sich als blindes Motiv, dessen Verbleib aus dem Blick gerät. Er scheint den Autoren auch keine nachträgliche Recherche wert zu sein. Ganz anders die Neugier auf ihre Stasi-Unterlagen.
Ganz anders zwei Reisebekanntschaften, die sie in Taschkent machen und von denen sie sich in Leningrad trennen. Einer von ihnen, Martin, taucht in Gießen wieder auf (270).
Lesenswert ist die abenteuerliche Fluchtgeschichte allemal - trotz der vielen Längen. Sie wirkt wie ein Lonlied auf die Freiheit und wird sicher von Jugendlichen, die womöglich mit den zahllosen Schlagern, die den beiden erinnernd und aktuell begegnen, vertraut sind, ganz anders wahrgenommen als von mir in schon fortgeschrittenem Alter.
Zugleich kann das Buch auch als Fanal wirken für Menschen zweiter Klasse, die in Unfreiheit zu leben verdammt sind, und als Plädoyer für alle Geflüchteten, die Menschlichkeit suchen. Schutz vor Verfolgung durch autoritäre Strukturen. Lebenswerte Lebensbedingungen.