Tillmann Prüfer: Kriegt das Papa, oder kann das weg? Ein Vater und seine vier Töchter, Hamburg: Rowohlt 2019, hc., 224 Seiten, ISBN 978-3-463-40719-7, 18 Euro

Wer bei der Lektüre dieses amüsanten Buchs nicht schmunzelt oder gelegentlich laut auflacht, verfügt über zu wenig Empathie und ganz gewiss über keinen Humor. Ich war ganz verblüfft, dass man den Autor von einer Zeitkolumne kennen sollte, zumal ich die Zeit abonniert habe.
Prüfer gibt Einblick in einen Viermäderl-Haushalt, dessen besonderer Charme in dem unterschiedlichen Alter der Töchter besteht – von erwachsen bis Vorschule, sodass die Turbulenz des Haushalts für alle Leser*innen, die Kinder haben, unmittelbar nachvollziehbar ist. Meine Frau entstammt einer Familie mit vier Töchtern, und einer unserer Söhne weist eine vergleichbare Konstellation von Nachkommen auf; so fühle ich mich durch Eigenerfahrung für die Lektüre gut gerüstet.
Eingeweiht wird man schon im ersten Kapitel: Ein Tritt der fünfjährigen Juli, das Weckritual der 14-jährigen Lotta, der Frühsport der zwölfjährigen Greta. Die 19-jährige Tochter Luna lebt in einer WG außerhalb. Und bekommt eine Guten-Morgen- WhatsApp (9).
Für Erheiterung bei der Lektüre sorgen die anschaulichen Vergleiche und Schilderungen, die ein Kopfkino in Gang setzen. Und vergleichbare Erfahrungen und Erlebnisse wachrufen.
Die Autoabstinenz des Vaters zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch (20, 108f, 129, 144, 176, 189, 205, 220, 223), von Auffrischungsstunden durch einen coolen Fahrlehrer, bis zum Schluss die Hilfe beim Ausparken zum Deal über Fernseh- und Handyzeit genutzt wird. Das Trauma, das für die Fahrablehnung ursächlich ist, wird ganz früh mitgeteilt (22f).
Man erfährt die Vorteile von Töchtern (25ff), ihre Urlaubs- und das bedeutet Pferdehof-Präferenz (33ff; 169ff), ihren modebewussten Medienbedarf (62ff; 182ff), kurz, es kommen alle einschlägigen Erziehungsprobleme angemessen realistisch zur Sprache. Alle Aspekte des bunten Episodenreigens können hier jedoch unmöglich genannt werden.
Am besten gefällt mir das Kapitel, wo anhand des 18. Geburtstags von Luna die Wirkung von Alkohol und eine sentimentale Reflexion über die begrenzte Dauer der Gemeinschaft von Eltern und Kindern zusammenkommen (86ff).
Und immer wieder ist die elterliche Autorität auf dem Prüfstand und damit Thema. Das Bezaubernde der Anekdoten ist ihre Bodenständigkeit. Der Vater hält mit seiner gelegentlichen Hilf- und Ratlosigkeit nicht hinterm Berg.
Er ist ein liebenswerter Zeuge und Fürsprecher für das Prinzip, dass niemand perfekt sein muss. Und dass man über Fehlleistungen auch lachen kann. Ich lese das Buch auch als Einladung an Mütter, ihre Erfahrungen mit jungen heranwachsenden Männern mitzuteilen.
Kein Zweifel: wer dieses Buch liest, bekommt Lust, sich auch selbst im Umgang mit jungen Menschen auszuprobieren. Es wäre doch prima, wenn die Lektüre lauter hochmotivierte Amateur-Omas, -Opas, -Tanten und -Onkel hervorbrächte. Und für Lehrer*innen spiegelt das Buch den Alltag, aus dem ihre Schüler*innen kommen.