Mirjam Pressler: Dunkles Gold. Roman, Weinheim: Beltz & Gelberg 2019, hc., 336 Seiten, ISBN 978-3-407-81238-4, 17,95 Euro

Ein Roman, den wie ein roter Faden zwei Themen durchziehen: die historische Kontinuität des Antisemitismus und Flucht und Vertreibung.
Zwei Zeitebenen verschränken sich miteinander und ineinander: die Gegenwart der Jugendlichen Erzählerin Laura und der von einem jüdischen Geldverleiher hinterlassene Schatz, der zufällig im Rahmen eines Bauvorhabens 1998 gefunden wird.
Lauras Begabung und die Begeisterung ihrer Mutter, einer Kunsthistorikerin, für den Schatzfund, bilden den Ausgangspunkt für die einfühlsame Erzählung.
Laura plant eine Gothic Novel über die Entstehung des Schatzes, und so entwickelt sich eine Erzählparallele zwischen der fortschreitenden Arbeit an der Skizzierung der einzelnen Szenen, und der drohenden Pestepidemie in Erfurt in Verbindung mit gewalttätigen Ausschreitungen, Pogromen gegen die Juden der Stadt.
Konsequent wechseln Schauplätze und erzählte Zeit mit jedem neuen Kapitel. Die von Laura erfundene gleichaltrige Rachel verliert auf der Flucht nach Polen ihren Vater und Bruder, gewinnt jedoch auf wunderbare Weise eine neue Familie in Krakau.
Ein besonderer Höhepunkt wird im Roman erreicht, als Laura, die nach einer Reihe von Fettnäpfchen mit ihrem Klassenkameraden Alexej dessen Familie besucht, von der noch immer schwelenden seelischen Verletzung der Großmutter erfährt (201ff), die vollends die Verbindung zwischen den beiden Geschichten herstellt.
Nur dass der 1935 versteckte Schatz im Judenfriedhof von Breslau geraubt wurde (206) und mit ihm die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Eine unbedachte judenfeindliche Bemerkung ihres Freundes Julian führt zum Bruch zwischen den beiden; die Familien von Laura und Alexej jedoch kommen sich – auch nach einer exklusiven Schatz-Führung durch Lauras Mutter – näher.
Aber auch das Verhältnis zwischen Laura und ihrer Mutter Kathrin verbessert sich infolge offener Aussprachen.
Anlässlich eines Zusammenseins der Familien erzählt Lauras Mutter von einem Prozess, der in Erfurt die Gerechtigkeit wiederherstellen sollte, in Wirklichkeit aber nur die Taschen der Ratsherren füllte (307).
Zwischen Alexej und Laura bahnt sich eine dauerhafte Beziehung an; er hat schon immer ihre Entwürfe beflügelt und bietet sich an, beim Text zu helfen (323).
In der Nachbemerkung (328ff) wird der historische Hintergrund ausgeleuchtet und – das finde ich besonders kostbar – werden Argumente gegen Antisemitismus und unbedachte judenfeindliche Sprüche genannt (331f).
Den Abschluss bildet eine kurze und herzliche Danksagung (332).
Das Buch ist allen Menschen von 15-100 uneingeschränkt als Lektüre zu empfehlen. Meine Prognose: keiner und keine wird es ungelesen weglegen, einige werden es mehrfach lesen, und niemand wird nicht nachdenklich werden; alle werden ihre Gedanken über andere künftig einer kritischen Prüfung unterziehen.