Eric Wrede: The End. Das Buch vom Tod, 4. Aufl., München: Heyne 2018, kart., 192 Seiten, ISBN 978-3453-27181-4, 16 Euro

Ein engagiertes Plädoyer für die Würde des Menschen auch im Tod. Der Autor vertritt die Schnittstelle zwischen Tod und trauernden Hinterbliebenen. Und er setzt sich vehement dafür ein, dass Regelungen, die zum Beispiel – wie der Friedhofszwang (27) – auf nationalsozialistische Festlegungen von 1934 zurückgehen.
In 11 Kapiteln und 5 Interviews (44ff; 84ff; 99ff; 122ff; 154ff; 183ff) mit Bekannten aus der Music-Szene erläutert Wrede unterschiedliche Aspekte, die einem Bestatter im Zusammenhang mit dem Tod begegnen. Ebenso spannend wie nachvollziehbar schildert er seinen eigenen Weg zum Bestattungswesen mit durchaus skurrilen Beispielen (18ff).
Das Problem der Verdrängung in unserer Gesellschaft vermag Wrede mehr als anschaulich zu machen. Es gibt zwei Texte, mit denen sich wundervoll das Thema eröffnen lässt – sowohl mit Erwachsenen als auch mit Kindern. Das eine ist ein Märchen, das in allen vollständigen Grimms Sammlungen zu finden ist[1] , und das andere ein vierstrophiges Kindergedicht von Michael Ende aus dem leider vergriffenen Schnurpsenbuch[2] .
Sehr einfühlsam wird die häusliche Pflege durch Angehörige beschrieben und über die Möglichkeit eines Hospizaufenthaltes oder ambulanter Hospizpflege informiert (55ff).
Auch die besonderen Schwierigkeiten eines Suizids werden erläutert und vor allem mit Blick auf die Hinterbliebenen sensibel diskutiert. Wrede stellt fest, dass es Hunden besser geht als Menschen (72).
Intensiv beschäftigt sich Wrede mit der Sprache, die den Tod regelrecht euphemistisch verhüllt: der Gipfel ist für ihn der Code für den Tod der britischen Königin (89f). Er propagiert eine klare situationsgerechte Sprachregelung.
Besonders anrührend finde ich die Art, wie er mit Trauerarbeit von Erwachsenen und Kindern und deren wechselseitiger Beeinflussung umgeht (113ff).
Im Grunde plädiert Wrede für mündige Gesprächspartner des Bestatters, die sich schon während des Sterbeprozesses eines nahen Verwandten klar werden über ihre Wünsche und Bedürfnisse und dementsprechend das Bestattungsunternehmen wählen (127ff).
Auch dem Nachlassproblem und den Trauerfeiern gilt der Blick des erfahrenen Bestatters, der es wiederum schafft, mit prägnanten Beispielen anschaulich zu machen, wie ein Erblasser Unheil vermeiden und ein wenig Planung im Vorhinein Langeweile oder Tradition besiegen können.
So kann mithilfe dieses Buches jeder Mensch alle Umstände seines Todes und seiner Hinterlassenschaften angemessen und würdevoll gestalten.



[1] Grimms Märchen Nr. 176: Die Boten des Todes

[2] Ein Schnurps grübelt, in: Michael Ende: Das Schnurpsenbuch, Stuttgart 1969, Nr. 45