Cyril Dion: Kurze Anleitung zur Rettung der Erde. Wofür wir heute kämpfen müssen, übersetzt von Ute Kruse-Ebeling, Ditzingen: Reclam 2019, hc., 174 Seiten, ISBN 978-3-15-011215-1, 18 Euro

Das Buch enthält ein leidenschaftliches Plädoyer für ein menschenwürdiges Leben auf der Erde, das zugleich auch seiner Verantwortung für die Umwelt eingedenk gestaltet werden muss.
Ausgangspunkt ist natürlich die ökologische Katastrophe, der wir ungebremst entgegengehen. Selbstkritisch wird eingeräumt, dass alle Untergangspropheten die Menschenmassen nicht erreichen konnten; und so stellt der Autor die erfolgversprechendsten Strategien für ein gesamtgesellschaftliches Umdenken vor. Eigentlich, so argumentiert er, müsste angesichts der technologischen Errungenschaften Freude vorherrschen; aber außerhalb industriell hochentwickelter Länder sind Hunger, mangelhafte Medizin und Hygiene weit verbreitet (17f). Zudem entwickelt sich die Erderwärmung als bislang angenommen. Erklärt wird auch, wieso diese Entwicklung für alle Menschen lebensgefährlich ist (21f). Krankheitskeime, Luftverschmutzung und Kriegsgefahr nehmen bedrohlich zu. Der erkennbare Verlust der Biodiversität ist schon jetzt besorgniserregend (29).
Einzelne Aktionen sind nicht mehr zielführend, und die Macht der Politik scheint begrenzt; daher muss kollektiv gehandelt werden. Der Autor setzt auf die Einsicht der Verbraucher und eine Veränderung der Narrative (42f). Die Masse Mensch ist jedoch nur erreichbar, wenn ein kurzfristiges Anliegen, das alle unterstützen, verfolgt wird. Aufgezählt werden mögliche mediale Wege zur Vorbereitung eines gemeinsamen Narrativs - veranschaulicht am Mondfahrttraum (57f), das als Voraussetzung jeder menschlichen Gesellschaft unabdingbar scheint (60).
Soziologisch und hirnphysiologisch wird der Frage nachgespürt, wie das Beharrungsvermögen von Narrativen zu erklären ist. Echte demokratische Mitwirkung an gesellschaftlichen Veränderungen erklärt Dion beispielhaft als Illusion (87).
Narrative entstehen aus langfristigen gesellschaftlichen Zielsetzungen; veranschaulicht werden sie anhand erfolgreicher gewaltfreier Widerstandsgeschichten und anhand von regional begrenzter Alternativen (100f). Eine symbiotische Wirtschaft scheint möglich (103ff). Optional wird dies diskutiert am Beispiel eines universellen Grundeinkommens (114ff). Städte und kleine Gemeinschaften können modellhaft vorausgehen (127).
Neun Prinzipien erfolgreicher Mobilisierung werden vorgestellt (139f). Ebenso Beispiele erfolgreicher regionaler Kampagnen (148ff).
Unumgängliche Grundlage einer nachhaltigen unumkehrbaren positiven Entwicklung ist die Reaktivierung unser aller Empathie für Mitmenschen und Biosphäre (156f). Zum Abschluss finden sich Anmerkungen, die den Abschnitten zugeordnet sind (161ff), und Literaturhinweise (171f) sowie eine Danksagung an alle Inspirationsspender und resilienten Personen in der Nähe des Autors (173).

Allen, die die Sorge um eine lebenswerte Zukunft umtreibt, liefert das Büchlein verlässliche und mutmachende Informationen.