Axel Hacke: Die Tage, die ich mit Gott verbrachte. Mit Bildern von Michael Sowa, München: Kunstmann 2016, hc., 104 Seiten, ISBN 978-3-95614-118-8,18 €

Ein skurriles, eigenständiges und sehr besonderes Bilderbuch, auf das die Bezeichnung Erwachsenen-Bilderbuch in besonderer Weise zutrifft.
Und in der Tat: Hacke hat eine besondere Geschichte zu erzählen.
Sein Ich-Erzähler, später als Familienvater erkennbar, sitzt in einem Zug, der überraschenderweise - ohne dass irgendjemand davon Notiz nimmt - vor seinem Haus in der Stadt hält. Er selbst beobachtet, wie der Zug offenbar ohne Schienen und Oberleitung um die nächste Ecke biegt. Seine Familie glaubt natürlich, er habe alles erfunden, und lobt seine Fantasie.
Mit seinem Büroelefanten (mit dem es auch eine besondere Bewandtnis gibt, spaziert er durch den benachbarten Friedhof, wo er auf einen alten Mann trifft, der ihn von der gemeinsamen Bank stößt und ihn damit vor dem Tod rettet.
Am folgenden Tag kommt er mit demselben Mann ins Gespräch, ohne die Rettung vom Vortag zu erwähnen. Dieses Gespräch führt zu überraschenden Wetterkapriolen. Der alte Mann erklärt sich bei einem weiteren Besuch für diese Kapriolen verantwortlich.
Und nun kommt der alte Mann jeden Tag und die beiden unternehmen etwas; und immer geschieht etwas Merkwürdiges.
Und irgendwann erklärt der alte Mann auf die entsprechende Frage sich zum Schöpfer der Welt. Allerdings erzählt er auch von vorangegangenen Schöpfungsversuchen. Er outet sich als Universumsflüchtling (39).
Als deprimiert.
Er zeigt im weiteren Verlauf der Bekanntschaft dem Ich-Erzähler Das Große Egal, das neue Zentrum der Welt (58). Es verkörpert auch das Weltprinzip. Gott findet Trost in der Bekanntschaft: Menschen, die einander nicht egal sind.
Nach vielen wunderbaren und fantastischen Erlebnissen miteinander verschwindet Gott ebenso unauffällig wie er gekommen ist und die Familie des Ich-Erzählers glaubt natürlich immer noch nichts von dem, was er erlebt hat. Er kann auch nichts Veröffentlichtes (etwa ein Selfie) vorweisen.
Hacke zeichnet einen Gott, der menschliche Züge trägt, gern spielt und sich auf-spielt, aber resignierend die Grenzen seiner Allmacht eingesteht: er kann nicht in Vergangenes, nur in Zukünftiges eingreifen.
Gleichwohl ein vergnügliches Buch mit einem Hauch Melancholie.
Und die Bilder von Michael Sowa veranschaulichen durch ihre Verschwommenheit den Zauber, der nur dem Ich-Erzähler zugänglich ist. Dem Leser ist Unterhaltung, tiefgründige Ironie und ein Wechselspiel der Emotionen mit dem Ich-Erzähler als Identifikationsfigur garantiert. Man kann es getrost auch jemandem schenken, der eher als Nicht-Leser gelten darf. Ich vermute sogar, dass auch ein Bibelforscher sich auf diese Gott-Veralberung einlassen wird.
Hacke und Sowa sind auf dem Rückumschlag des Büchleins kurz vorgestellt.