Bruno Preisendörfer: Die Verwandlung der Dinge. Eine Zeitreise von 1950 bis morgen, Köln: Kiepenheuer & Witsch 2018, hc., 266 Seiten, ISBN 978-3-86971-166-9, 20 Euro

Zunächst einmal erscheint das Buch als unausgesprochener Spott über Versuche jeglicher Art, Zukunft, vor allem aber technische, vorhersagen zu wollen (z.B. 55).
Entsprechend vergnüglich und entlarvend zugleich wirkt die Lektüre; der Autor amüsiert sich über die Beharrlichkeit, mit der der Mensch liebgeworden-unbrauchbares behält, ohne im Einzelfall Nützlichkeitserwägungen anzustellen. Die Einleitung spekuliert über das rasche Altern der Gebrauchsgegenstände. Um dies zu veranschaulichen, erklärt er kurzerhand sein Büro zu einem Museum und legt ein Register der Ausstellungsstücke an. Seine Lebenslinie stellt er den raschen Entwicklungen gegenüber.
Am Anfang steht die Schiefertafel mit Griffel und Schwämmchen; und für geordnetes Schreibenlernen eine Setzfibel - sie ist in Preisendörfers Museum der Dinge verloren gegangen - und ein Federhalter. Von Schreibmaterialien und analogen Rechenhilfen (Rechenschieber etc.) richtet sich der Blick auf Schreibberufe - heute längst passé. Immerhin unterhält P. mit Schreibmaschinen-Erfahrungen (49f) und frühen PC-Einsätzen, wobei die Pleiten recht plastisch werden.
Das Feld der akustischen Speicherung und hochwertigen Wiedergabe veranschaulicht P. im 2. Kapitel. Erste Errungenschaft war dabei die Fernbedienung (65). Autoradio, Kassettenrekorder mit Überspielkabel (75) führte vom MP3 (83) zum Walkman, dessen Ohrstecker noch heute überall im Alltag zu bewundern sind (80).
Das 3. Kapitel lässt die Tonträger Revue passieren: Von der Schallplatte über die Kassette bis zur CD werden alle Techniken in Preisendörfers persönlicher Erinnerung lebendig; auch die erstaunliche Wiederbelebung der Schallplatte und das endgültige Aus für die Kassetten werden anschaulich. Das I-Phone steht am vorläufigen Ende der technischen Entwicklung.
Mit dem 4. Kapitel beginnt die Fernsehwelt, die trotz vielfältiger technischer Entwicklungsschübe noch immer ihre Marktmacht behauptet (155).
Das 5. Kapitel entfaltet anschaulich die Begeisterung für VHS und die Videocamera bis zum Katzenjammer: die Erkenntnis, dass diese Speichertechnik die Erwartungen nicht zu erfüllen vermag, die in sie gesetzt wurden (178).
Das 6. Kapitel schildert den Niedergang des Telefons - mit Schnur, ohne Schnur, mit Funk und Satellit, wobei mir gar nicht mehr die zahlreichen Ansagedienste erinnerlich waren (z.B. Zeitansage, Tarif-). Erneut endet die Entwicklung beim I- bzw. Smart-Phone. Die Zwischenstufe, das Handy, ist inzwischen schon Geschichte und ermöglicht es, moderne Menschen von Ewiggestigen zu unterscheiden. Auch illustrieren Handy und Smartphone nebeneinander gewissermaßen die Gleichzeitigkeit von Steinzeit und Moderne.
Selbst in dem Kurzkapitel 2.0 lässt P. sich nicht provozieren, eine Zukunftsprognose zu entwerfen. Im Gegenteil bespöttelt er die Verlockung dazu als Erwartung des Todes (216), auf den schließlich alle Zukunftsvisionen zielen.
Der Anhang bringt Nachweise (221ff), Quellen (227ff), ein komisches Glossar (233ff), eine Zeittreppe (243ff) und ein Personenregister (257ff).
Der Unterhaltungswert des Buches lebt von den persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen des Autors. die eigene Erinnerungen mit den technischen Errungenschaften beim Leser hervorrufen. Ein positives Beispiel für ein unterhaltsames Sachbuch, das verlässliche Information nicht unkritisch verbindet mit Hinweisen auf Trendwirkungen, die unsere Überflussgesellschaft bestimmen.