Brief an die europäische Union

Geschätzter Herr Jean Claude Junker, geschätzte Damen und Herren Staatschefs der 27 Nationen der Europäischen Union!

Kein Zweifel: nach der Katastrophe im Atomkraftwerk in Fukushima in Japan kann kein Verantwortlicher und keine Verantwortliche Energiepolitik überwiegend mit  Atomstrom betreiben. Europaweit müsste ein Umdenken einsetzen. Da Sie alle gewählt sind, um Schaden von Ihrer Bevölkerung abzuwehren, sind Sie in besonderer Weise verantwortlich. Zwei drängende Fragen müssen gelöst werden, die von allerhöchster Dringlichkeit sind:

  1. an welcher Stelle lässt sich für die ungeheure Zeitspanne, in der radioaktiver Abfall gesundheitsgefährdend strahlen wird, ohne Gefahr für Leib und Leben europäischer Bürger, dieser Abfall dauerhaft lagern?  Weder hat anscheinend das Nachdenken darüber eingesetzt, noch finden europaweit die notwendigen geologischen Eignungsprüfungen statt. Vielmehr drängt sich dem Bürger der Eindruck auf, dass ihre Staatsoberhäupter dieses Problem durch Nichtstun zu lösen gedenken.
  2. wie und durch welche nachhaltigen Maßnahmen lässt sich der Energiebedarf der Zukunft ohne Schädigung von Menschen und Umwelt decken? Sollte nicht an erster Stelle ein sparsamer Umgang mit Energie stehen und jede Energiequelle, die schädliche Folgen hat wie die Kernenergie und die Kohleverstromung, langfristig ersetzt werden? Besteht nicht eine große Chance, alle 27 EU-Staaten auf ein langfristiges Konzept einzuschwören, wenn darüber lange und intensiv genug beraten wird? Wird nicht ein Staat unglaubwürdig, wenn er die Energiewende im Alleingang glaubt verwirklichen zu können? Und um wieviel unglaubwürdiger ist er, wenn er heute noch auf Atomenergie setzt und neue Atomkraftwerke baut?

Zu Ihnen als derzeit amtierender Vorsitzender habe ich großes Vertrauen. Gemeinsame Energiepolitik in Europa ist ein großes Ziel, das Ihrer würdig ist!

Ich wünsche Ihnen erfolgreiche, glückliche und für Bürger und Umwelt segenreiche Entscheidungen!

Freundlich grüßt
Eberhard Ockel (im Mai 2018)


 

Hand- oder Kopf-Arbeit

Vom Kommunismus reicht bis heut ein Vorurteil:
Dass Arbeiter der Faust mehr wert als die durch Geist;
Zur Folge hat's, dass Geist-Produkt gilt wen'ger feil,
Dass Lehrerverdienst drum zu wenig Geld aufweist,
Dass Handwerkerverdienst schon ne geraume Weil'
Als Produktionsberuf durch Stundenlohn wird feist;
Indes, wer lehrt und forscht, in Schul' und Hochschul' kreist,
Für gering wird geacht't, Aufstiegschance ist nicht steil.
Im Osten der EU somit einhellig gilt:
Ob Polen, ob Ungarn ein einheitliches Bild:
Wer leben will und lehrt, wogegen Brecht sanft schilt,
Der kann nicht existiern und, was den Beutel füllt,
Zwingt zweiten, dritten Job, macht letztlich Menschen wild.
Nur Anerkennung mehr die Unruhe je stillt


 

Was macht den Wert des Menschen aus?

Angesichts der weltweiten Fluchtbewegungen und der nationalen Ängste ist die Frage mehr als berechtigt:
Ist es die Fahne, die ihn in eine staatliche Struktur einbindet?
Ist es der Ausweis, der Pass, der die nationale Zugehörigkeit bescheinigt?
Ist es die Geburtsurkunde, die Name und Ankunft auf der Erde besiegelt?
Ist es womöglich sein Kapital-Vermögen?
Ist es sein Outfit, seine Kleidung? Ist es sein Aussehen?
Was bleibt, wenn all dies verneint wird?
Wer kümmert sich um das Leben eines Menschen, der in seinem Land nicht mehr leben kann? Verfolgt wird? Massiv am Leben gehindert? Vom Tod bedroht?
Wer gewährt ihm Asyl?
Wer versteht ihn, hilft ihm und gewährt ihm neue Heimat?
Wer unterstützt ihn beim Bildungs- und Berufsweg, bis er auf eigenen Füßen steht?

Ist nicht jeder Mensch ein einmaliger Entwurf mit Talenten und Möglichkeiten?
Was kann er dafür, dass er unter bestimmten Bedingungen und Chancen so geworden ist? Was kann ich dafür?
Ist seine kulturelle Prägung nicht eine Chance in der Begegnung?
Welcher Reichtum erwächst mir in dieser Begegnung?

Muss die Sprache zur Barriere werden? Kann mir in der Begegnung nicht meine Sprache im Blick des anderen Menschen neu kostbar werden? Welche Möglichkeiten des Klangs und Ausdrucks bietet die fremde Sprache? Und meine im Vergleich?
Kann ich nicht ganz neue kreative Methoden zum Verstehen entwickeln?
Kann mir nicht der Kontakt zur Kultur des anderen zur Quelle werden?
Kann mir nicht dieser Einblick erst die eigene Kultur neu und kostbar aufscheinen lassen?
Ist der Andere/die Fremde nicht immer wieder Anfrage, Herausforderung?

Gehe ich auf den Anderen, den Fremden zu? Überwinde ich die eigene Scheu?
Stelle ich mich ihm entschlossen mit meiner Zeit zur Verfügung?
Was kann ich, was er braucht? Was habe ich, was ich teilen kann?
Bin ich bereit, meine Tür für ihn zu öffnen?
Bin ich bereit, Pate, Wahlverwandter zu sein - mit allen Risiken?
Bin ich bereit, Verantwortung, auch finanziell, für ihn zu übernehmen?

Wie reagiere ich auf abschätzige Bemerkungen über Flüchtlinge?
Erlebe ich sie wirklich als Schmarotzer? Als Armutsflüchtlinge?
Bin ich bereit, mir ein differenziertes Bild von Flüchtlingen und Fluchtursachen zu machen? Habe ich Angst, meine tiefverwurzelten Vorurteile zu hinterfragen?
Lasse ich Flüchtlinge überhaupt an mich heran? Gehe ich auf sie zu?


 

Schilda?

Sonderschullehrer wöchentlich zwei Stunden -
zum Förderbedarf werden sie geschunden,
zur Inklusion in Grundschul'n eingebunden,
doch nur, wenn Förder-Schüler sich gefunden!

In eine Normalklasse nur zu gehen,
wo sicher manche Störenfried' durchdrehen
und schon von ferne wirkt des Mutwills Wehen -
ist überflüssig man, doch gern gesehen.

Solch Maßnahm'n - nur mit Vorschrift zu begründen,
ohn' dass ein Anlass in der Schul'zu finden -
das scheint zu passen auf Verwaltungs-Sünden,
schlimmere mag selbst Schilda uns nicht künden.

Ein weit'res Übel sind die Bauvorschriften:
ein Baumhaus ist zu hoch - die Nachbarn giften. -
Dass Kinder gern rauf klettern und dort spielen,
ist ganz egal: Vorschriften muss man fühlen!

Das schöne Baumhaus wird nun abgerissen -
die Kinder werden sich abfinden müssen.
Kein Wunder - ist es doch total beschissen!
Amtsschimmel wiehert oft - das muss man wissen! 

Geldräuber

Unser Herr Jesus erzählte das Gleichnis vom Samaritaner:
            der um den Nächsten sich sorgt, unter die Räuber gefall'n
Heute muss man das Gleichnis ganz anders erzählen und deshalb
            wie heut das Gleichnis erklärt Arbeit und Kapital.
Hört man in allen Meldungen, wie mit Aktienkäufen
            Geld wird locker verdient, ohne dass etwas man schafft.
Wenn Unternehmen Arbeiter kündigen, steigen die Kurse;
            denn Unternehmensgewinn nur nützt dem Aktionär.
Sauer verdient jeder Arbeitnehmer, was Streiks und Gewerkschaft
            Einkommenszuwächse schafft, meist es die Progression schluckt.
Scheint nicht naheliegend, dass hier Deutung des Gleichnis' sich findet?
            Raub zweifellos findet statt und ohne Arbeit Verdienst.
Räuber sind Steuerbehörden, Aktionäre und Banken,
            ihr Vorgehen bewirkt, dass sich das Geld stets vermehrt.
Allerdings werden dadurch viele Mitbürger sukzessiv ärmer,
            denn die Vermehrung des Gelds kommt nur den Reichen zugut.
Steuern auf Aktiengewinne werden von London blockiert und
            Steuerfrei bleibt Deutsche Bank, weil sie die "Schlupflöcher" nutzt.
Steuerzahler sind die Verbraucher, die Familien besonders,
            kaum reicht ein Einkommen noch, Zeit fehlt für Jahresausgleich.
Hunger weltweit von Kindern kontrastiert aus der Börse für Nahrung,
            woran der eine verdient, daran der andre krepiert.
Sollte nicht bald sich wieder Verantwortung zeigen, verbunden
            mit dem unleugbaren Wort: essbar ist niemals das Geld,
käuflich nicht Liebe, nicht Freundschaft, nicht Luft, nicht Wasser, Natur nicht, 
            auch Erinnerung nicht, die man so gerne oft fälscht.