Was eine Familie zusammenhält

Als fünffacher Großvater habe ich schon einige Erfahrung – erst als Familienvater, dann als Großvater. Auch in unserer Familie gab es bereits das Problem: Den Kindern und dem Partner gleichermaßen gerecht werden. Nichts ist verhängnisvoller, als wenn die Partner sich wechselseitig darauf verlassen, dass die gegenseitige Solidarität verlässlich ist, ohne dass sie etwas gezielt dafür tun. Und die Gefahr ist groß, dass alle Zeit und Kraft in die Kinder investiert wird. Ja, es soll sogar vorkommen, dass Kinder als Bindemittel der Partnerschaft missbraucht werden.
Dabei erweist es sich als überaus segensreich, wenn Zeit für die Kinder mit ihnen verabredet wird: das heißt zum Beispiel: wenn die Eltern miteinander sprechen, dann haben die Kinder Pause; das durchzusetzen, erfordert Kraft und Konsequenz, aber wenn die Kinder es begriffen haben, richten sie sich danach. Die Verabredung, wann die Eltern ihren Kindern Gehör schenken, muss dann allerdings für die Eltern verbindlich sein. Beiseite schieben lassen sich die Kinder nicht.
Ebenso lassen sich Abgrenzungen verabreden, die Arbeit und Spiel voneinander unterscheiden: wenn Vater oder Mutter arbeitet oder für sich tätig oder mit einem anderen Erwachsenen im Gespräch befindlich ist, dann muss mit dem Kind verabredet werden, wann Vater oder Mutter zum Spielen oder zum Schmusen bereit sind.
Verabredungen sind auch in anderen Richtungen empfehlenswert: was Vater oder Mutter gehört, ist für das Kind tabu. Solche Verabredungen lassen sich leicht begründen, wenn sie wechselseitig eingehalten werden. Beispiel: Mutter oder Vater gehen nicht ohne Erlaubnis des Kindes an seine Spielsachen, also geht auch das Kind nicht an den Laptop des Vaters.
Die wichtigste und zugegebenermaßen schwierigste Verabredung ist die fester Tageszeiten. Ich halte viel davon, dass wenigstens eine Mahlzeit am Tag gemeinsam eingenommen wird. Das lässt sich so begründen, dass ja meist die Eltern arbeiten müssen und so diese Mahlzeit zum gemeinsamen Treffpunkt wird, wo man sich erzählen kann, was man erlebt hat. Das führt auch gleichzeitig dazu, dass die Kinder in die gemeinsame Sprache hineinwachsen. Dieses Gespräch bei der gemeinsamen Mahlzeit ist ein kostbares Gut und sollte auch zum gegenseitigen Anteil-nehmen genutzt werden.
Ebenso wichtig ist die Verabredung, wann abends ins Bett gegangen wird: am besten ist es, wenn man nach dem Sandmännchen das Kind ins Bett bringt. Diese Gewohnheit muss aufgebaut und konsequent durchgehalten werden. Wenn dann am Bett auch noch vorgelesen und gebetet wird, ergibt sich ein schönes und sehr intensives Zusammensein zwischen Eltern und Kind. Natürlich sollten Vater und Mutter gemeinsam für dieses Ritual verantwortlich sein. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, Missverständnisse oder Verärgerungen oder Missstimmungen auszuräumen und sich gegebenenfalls wechselseitig zu entschuldigen, wenn das zur Lösung aktueller Spannungen dient. Wenn dann das Kind abends trödelt mit dem Zu-Bett-gehen oder wenn aus besonderen Umständen (längere Besuchsfahrten) die Schlafenszeit nicht eingehalten werden kann, dann muss vielleicht das Ritual verkürzt oder gestrichen werden. Ansonsten muss es verlässlich stattfinden.
Wenn solche Verabredungen aufgebaut und zu Gewohnheiten werden, dann verringert sich der Stress mit den Kindern erheblich; die Eltern müssen sich aber ebenso wie die Kinder diesen Gewohnheiten beugen und sich für ihre Durchsetzung regelmäßig verantwortlich wissen und solche Termine besonders heilig halten.
Die Kinder betrachten sich bis zum sechsten, manchmal sogar bis zum achten Lebensjahr als das Zentrum, um das sich alles drehen muss, und es ist sehr wichtig, ihnen Regeln zu setzen und diese Regeln auch selbst zu befolgen. Ich betrachte Kinder als Gottesgeschenk, uns ans Herz gelegt, damit wir uns für sie verantwortlich wissen, sie aber auch je nach erreichter Reife loslassen lernen: wir sollen die Fähigkeiten und Talente zur Entfaltung bringen, uns aber immer bewusst sein, dass die Kinder eigenständige Persönlichkeit sind und uns nur für eine bestimmte Zeit anvertraut. Wann und wie viel Verantwortung man einem Kind/Jugendlichen zutraut, sollte unter den Eltern abgesprochen werden; die Gefahr besteht, dass Kinder überfordert werden, wenn sie zum Beispiel Entscheidungen über Urlaubsziele oder über tägliche Mahlzeiten oder über ihre Schulwahl treffen sollen. Wenn all dies geklärt ist…
Dann kann man auch Zeit und Kraft in die Partnerschaftspflege investieren. Was ist damit gemeint? Zunächst mal muss zwischen Ehepartnern verabredet werden, wer für welche alltäglichen Pflichten im Haushalt verantwortlich ist, ohne dass sie ständig eingefordert werden müssen. Natürlich ist es schön, wenn man ab und zu dem Partner ein Lob oder eine Anerkennung für die zuverlässige Einhaltung seiner Aufgaben gönnt; aber das Verhältnis der Belastung zwischen beiden sollte nach Möglichkeit ausgewogen sein. Nichts ist so konfliktträchtig wie Auseinandersetzungen über alltägliche Aufgaben. Sodann sollten die Partner sich hin und wieder besondere Zeichen für ihre gegenseitige Wertschätzung einfallen lassen: ein Blumenstrauß, ein Liebesbrief, ein hübsches kleines Geschenk oder Ähnliches.
Ein weiterer Stein des Anstoßes ist erfahrungsgemäß das Geld: jeder Ehepartner, der ein Gehalt bezieht, muss auch ein eigenes Konto haben; und selbst wenn nur ein Partner ein Gehalt erarbeitet oder Honorar bezieht, ist es ratsam, zwei Konten zu führen, wobei verabredet werden sollte, wie das verfügbare Geld auf die Konten verteilt wird. Beide sollten verfügungsberechtigt sein und gemeinsam verabreden, wie es ausgegeben wird. Dabei ist es ratsam, ein Haushaltsbuch zu führen, damit die Ausgaben der Familie durchschaubar werden. Nichts ist schlimmer und entwürdigender als wenn ein Partner ständig um Geld betteln muss. Respekt und Achtung vor der Würde des Partners wird die rechte Entscheidung im Alltag erleichtern.
Neben dem Alltag und im Beruf muss es auch Feste und Feiern geben: dazu bieten sich natürliche Einschnitte im Jahr an: die Halbjahreszeugnisse der Kinder sind ein willkommener Anlass zu feiern (die Noten sollten nicht kommentiert werden; die Kinder wissen selbst, wo sie arbeiten müssen und was ihnen gelungen ist). Die Familie freut sich über eine Lebensetappe und jeder hat einen Wunsch frei, der an diesem Tag nach Möglichkeit und nach Maßgabe der verfügbaren Haushaltsmittel erfüllt wird. Außerdem gibt es noch die Gedenktage: Geburtstage, Hochzeits-Tage, gegebenenfalls Namenstage, die durch Vorschläge aller Familienmitglieder gestaltet werden und in sehr angenehmer Weise das Alltagsleben unterbrechen und strukturieren. Schon das Planen und Geschenke-überlegen löst eine Vorfreude auf den Festtag aus. Gemeinsam geplant werden sollten auch die Ferien, auch das eine Frage des Budgets…
(Anlass für diesen Text waren und sind Nachrichten über Familientragödien und Ehescheidungen; meine Frau und ich haben mehrere “Paten-Familien”, mit denen wir eng befreundet sind und die des Öfteren unseren Rat suchen. Ich könnte mir vorstellen, dass durch solche Patenschaften die Anzahl der Scheidungen zurückgehen könnten. Es käme auf den Versuch an.)

Genosse Trend

Genosse Trend ist weit und breit zu finden
und wirkt sehr unheilvoll, soweit man blickt:
er scheint Privatheit, family nur zu verkünden,
gesellschaftliche Aktion ist im Schwinden,
menschliche Mitverantwortung wird ganz geknickt.

Für die Sozialfürsorge gibt´s den Staat,
die kommunale Einrichtung, das Jugendamt -
Verwahrlosung, Gewalt – da werden grad
die dafür Zuständigen nur verdammt;
Zivilcourage scheint fast wie ein Trendverrat!

Dazu passt: wer übt noch sein Wahlrecht aus?
Die oberen tun ja doch, was ihnen passt!
Realsatire, über die man spaßt
und schimpft: Politiker sind doch ein Graus!
Und jeder weiß, wen man am besten schasst.

Die eigene Meinung ist ein seltenes Gut
und seltener noch, wer sie begründen kann.
Man fühlt sich sicher in der Medien Hut,
die ziehn in einen Einschaltquotenbann
und bieten bloß verwirrend Bilderflut.

Was Wunder, dass der Wertkonsens verschwindet:
ziehn Eltern, Lehrer noch am selben Strang?
Wer sich mit einem Partner heut verbindet -
egal, ob er real, ob virtuell sich findet -
der bleibt zusammen mit ihm nur Zeit lang,

doch vor dem Standesamt sich ja zu sagen,
zu stellen gar sich unter Gottes Segen,
zusammen dann zu bleiben auf den Wegen
des Schicksals und als Paar sich durchzuschlagen
und Kinder nicht als Armutsrisiko beklagen,

das ist das krasse Gegenteil von Trend,
der Lebensabschnittspartnerschaften kennt,
der Kinder eher ablehnt vehement
für eine Welt, die kriegerisch nur brennt
und preist das Vielfältig-Mobil-Talent.

Man sucht, wenn überhaupt, nach Religion,
die feste Regeln aufstellt was zu tun;
Gewissensfreiheit scheint nicht opportun,
weil sie Entscheidungsfreiheit fordert, schon
der bloße Druck sich zu entscheiden macht immun.

Gefährlich wird´s, schränkt Trend die Freiheit ein,
dass alles wünscht: gebt einem Macht allein,
der weiß wo’s langgeht, das wird besser sein
und kommt auch bill´ger als wenn viele reden rein! -
Wir haben’s doch erlebt: es ist ein schöner Schein!

Ökologie

Ich bin ein leidenschaftlicher Fahrradfahrer, trage auch aus Überzeugung einen Helm und wünsche mir, dass innerstädtische Wege möglichst grundsätzlich entweder mit dem Rad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr absolviert werden. Dies würde der Luft gut tun und natürlich auch der körperlichen Fitness zugutekommen. Ich beobachte mich dabei, wie ich böse und ärgerlich reagiere, wenn ich erlebe, wie Menschen völlig überflüssig ihren Motor laufen lassen, während sie entweder am Steuer oder auf dem Beifahrersitz auf einen Einkäufer warten oder ein längeres Telefongespräch mit ihrem Handy abwickeln. Messungen haben ergeben, dass die Schadstoffmengen bei Leerlauf des Motors höher sind, als beim fahren über die Landstraße.
Ich hoffe darauf, dass bei der Bundestagswahl Parteien gewählt werden, die sich ihrer Verantwortung für die Umwelt bewusst sind und somit auf folgende Maßnahmen hinwirken werden:
1. : auf allen Autobahnen der Bundesrepublik sollte ein generelles Tempolimit von 120 km/h eingeführt und kontrolliert werden.
2. : der gerade öffentlich gewordene Skandal um die private Nutzung von Dienstwagen durch politische Amtsträger (Ulla Schmidt in Spanien) macht es dringend erforderlich, die Anschaffung und Verwendung von Dienstwagen steuerlich nicht mehr zu subventionieren. Zudem träfe eine solche Maßnahme ohnehin überwiegend besser verdienende Steuerbürger.
3.: alle umweltverträglichen Energie-Träger sollten mit hoher Priorität gefördert werden. Das bedeutet gerade nicht, dass die Kernenergie weiterhin als Energieträger eingesetzt wird; vielmehr sollte weltweit daraufhin gewirkt werden, die in jedem Land vorhandenen alternativen Ressourcen anstatt Kohle, Öl, Gas und Kernbrennstoffe für die Energiegewinnung zu nutzen: das bedeutet allerdings auch nicht das Aufstauen von Flüssen, oder sonstiger Maßnahmen, deren Schäden für Mensch und Umwelt schwer abschätzbar sind, sondern vor allem Sonnenenergie, die voraussichtlich in unbegrenzter Menge auf Jahrhunderte zur Verfügung steht.
4.: die Parteien sollten zu einer Intensivierung ihrer Jugendarbeit aufgefordert werden; so könnte ein Gegengewicht gegen die derzeitige intensive NPD-Jugendarbeit geschaffen werden; und Kinder und Jugendliche würden stärker als bisher mit umweltpolitischen Fragen vertraut gemacht und könnten so zu künftig verantwortlichen Staatsbürgern herangezogen werden.
Bundestagswahlen stehen in genau zwei Monaten an. Ich rufe jeden auf, der oder die diesen Blog besucht, bei der Wahl diese Aspekte zu berücksichtigen und die Kandidaten nach ihrer Meinung dazu zu fragen. Nur wenn alle ihrer Verantwortung für unser Gemeinwesen gerecht werden und zur Wahl gehen, kann die derzeitige Krise überwunden werden.

Anmerkungen zu L´Aquila

Die Kanzlerin geriert sich weltweit offen,
Ja, aufdringlich als Ökologie-Fan;
sie lässt fürs Weltklima das Beste hoffen,
jedoch: Gilt innenpolitisch ihr “Yes, we can”?

Da werden große Autos steuerlich gestützt -
Sie selbst macht davon ständigen Gebrauch -
denn die Berufs-Kraftfahrer werden so geschützt
und selbst die kleinste Uni nützt das auch.

Kein Mensch sieht ein Problem darin zu warten
im Auto und mit laufendem Motor,
doch ausmachen den Motor, neu zu starten
statt einfach Luft verpesten, kommt nicht vor!

Noch immer werden Raser-Autos konstruiert
und Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen,
die ist erlaubt, damit ein jeder spürt:
die BRD schreibt Rasen auf die Fahnen.

Die Energie-Sparwelle ist noch klein,
Klein auch Ideen von Nachhaltigkeit:
den Auto- und Strombossen leuchtets (noch nicht) ein,
und jeder setzt auf Profit und auf Zeit.

Dabei trifft Unwetter in voller Härte
und Überschwemmung immer häufiger ein,
und wo auch immer es das Land verheerte -
es trifft kaum die Verursacher – gemein!

Verödung und Verkarstung und Verwüstung
sind nur für arme Länder ein Problem:
Sie haben nicht die Technik und Ausrüstung
und leiden unter Geldmangel extrem.

Warum nur fehlt bei Reichen das Bewusstsein,
dass ihnen Reichtum eine Chance gibt
zum sozial handeln; doch ist eine Brust klein,
dann ist die teuere SchönheitsOP mehr beliebt.

Man könnte doch das Steuerprinzip ändern
und wie in Holland allen Wertbesitz
besteuern, und dies tun in allen Ländern,
dann wäre Kapitalflucht nichts mehr nütz.

Es mache jeder Staatsbürger Gebrauch
von seinem Wahlrecht, in der Wahlkabine
kann man den Wahlzettel durchstreichen auch,
wenn einem niemand wählbar hier erschiene.

Vielleicht kann mal ein Traum Wirklichkeit werden:
die Menschen schauen über´n Tellerrand
und äußern offen und weltweit Beschwerden,
doch nehmen Lösungen selbst friedlich in die Hand.

Ein Limerick als Einstieg

Meint Demokratie der Iran,
geht doch die Wahl streng nach Plan:
Präsident-Kandidat
heißt Ahmadinedschat
Was schert Khamenei denn der Volk-Wahn?