Frauenrechte

Wenn mir ein Mann von Frauenvorteil klagt
und ernsthaft Neid und Ärger an ihm nagt,
dann habe ich ihn erst einmal gefragt,
ob keine Frau ihm je gesagt, wie sie geplagt.

Noch immer leiden Frauen auf der Welt
an Willkür, die den Männern so gefällt;
durch die Scharia im Islam sind sie ihm unterstellt,
in Afrika noch tausende Beschneidung quält.

Noch immer sind die Männer Tonangeber,
obwohl die Frauen gelten als die Streber;
wo immer Frauenmacht regiert, als Heber
der Sitte und Moral, als Rechts-Beleber.

Auch mitten unter uns sind Frauen unterdrückt:
Sie tragen Kopftuch, sind oft ungeschickt
im Deutschen, und nur wenigen Bildung glückt -
kaum eine kennt ihr Recht, so “abgeknickt”.

Noch immer gibt es Männer, die verhauen -
misshandeln nennt man´s vornehm – ihre Frauen;
statt Hilf zu leisten liebt man´s, wegzuschauen,
doch, sei´n wir ehrlich: ´s müsst uns eher grauen!

Die Sprache, die wir brauchen, gilt dem Mann,
die Frauenformen sind Anhängsel dann;
wenn Frau nen Mannberuf ergreifen kann,
dann hängt man flugs das -frau, das -in daran.

Jedoch, zieht’s einen Mann in Frauberuf,
die Sprache rasch für ihn ein Nennwort schuf;
kein Hebammer, kein Krankenbruder zum Behuf
das Ausgleichs, Pfleger, -Helfer heißt der Ruf.

Die Kirche stellt die Frau ins zweite Glied,
denn oben stehn nur Männer, wie man sieht;
was in der Liturgie bis heut geschieht:
die Frau als Priester Jahrtausende man mied.

Nach offiziellem Vorbild darf sie dienen,
stellt engagierte Laien, “Arbeitsbienen”;
dass Jesus große Hilfe hatt´ an ihnen -
sogar Apostelinnen sind erschienen -

das ist vergessen und verdrängt schon lang -
Messdienerinnen sind zwar schon im Schwang,
nach dem Konzil der Theologenrang -
denn nur der Zölibat hat guten Klang.

Viel seltener Fraun als Männer Orden kriegen,
denn offiziell ist deren Leistung schwer zu wiegen;
so muss ein Bürgerorden denn genügen -
meist hat die Weihe: Bundesorden er erstiegen.

Drum, Männer, lasst die Frauen an die Macht!
Sie kämpfen nicht wie ihr in offener Schlacht,
sie nehmen sich und andere in acht
und haben selten Unfrieden gebracht!

China als Gast der Frankfurter Buchmesse

Chance ergäbe sich, hieß es, die unbekannte Kultur
eines der zahlenmäßig größten Länder der Erde
durch diesen Schritt des Börsenvereins in Frankfurt am Main
kennen zu lernen und vorhandenen Stereotypen
erfolgreich entgegen treten zu können und zu lesen,
was im heutigen Reich der Mitte gedruckt werden darf.
Hatte doch voriges Jahr auf Beschluss des IOC
Peking Olympische Spiele zu beispielhafter, starker
Imagewerbung genutzt, doch ohne die Pressezensur
und ohne die Unterdrückung öffentlicher Kritik
im mindesten einzuschränken: West Presse wurde behindert.
In den Stadien saßen nur handverlesene Menschen,
obschon im Nachbericht stand: ausverkauft Sportstätten warn.
Wen wundert’s, dass alle Autoren in Frankfurt, die China verlassen
hatten, geflissentlich ohne Gesprächspartner blieben
und jede missliebige Frage an offizielle Vertreter
ohne Antwort blieb und hintertrieben wurde.
Nun ist das Buch-Spektakel vorbei und gespannt sein darf
der interessierte Beobachter, ob die Messe und wie
in China sich auswirken wird, ob etwa nun kritische Schriften
oder Romane zum Leben der Ausgegrenzten, Verfolgten,
beispielsweise aus Tibet oder aus sonstwie geächteten
Räumen oder Religionen veröffentlicht werden.
Alles bleibt wie bisher, so meine skeptisch Prognose.

Gefährdet Wissen den Glauben?

Lieber Freund,
ich habe mich häufig mit dir unterhalten und du hast mich immer wieder durch dein breites Interessen-Spektrum verblüfft. Du legst immer großen Wert auf Beweisbarkeit. Da wir beide gläubige Menschen sind, diskutieren wir auch über die historischen Fakten, die diesen Glauben stützen. Dabei fällt mir eine merkwürdige Verbindung zwischen Glauben und Wissen auf. Ich habe den Eindruck, als stünden bei dir Glauben und Wissen in einem für mich unheimlichen Verhältnis: wenn Du zum Beispiel weißt, dass die Schöpfung mit dem Urknall begonnen hat und die Evolution keinen Platz für Gott vorsieht, dann verringert das entscheidend deinen Glauben: die ersten Kapitel in der Bibel erzählen etwas von sieben Tagen der Schöpfung und einer von Gott bestimmten Reihenfolge. Viele nicht Gläubige leiten schon von diesem Widerspruch ihre Meinung ab, dass Gläubige ein wenig naiv und rückschrittlich seien.  Ein zweites Beispiel: das erste Mose-Buch der Bibel enthält auch eine Erzählung über die so genannte Sintflut. Neuere Forschungen belegen in der Tat eine Katastrophe, die mit gewaltigen Überschwemmungen im Mittelmeerraum verbunden war. Und schon ist auch diese biblische Erzählung Makulatur. Wenn man dem weit verbreiteten Denken folgt, das auch deine Position bestimmt.
Nun wäre es ja schlimm, wenn man durch wissenschaftliche Erkenntnisse seinen biblischen Glauben verlöre. Und gerade der jetzige Papst Benedikt XVI wirbt leidenschaftlich dafür, dass Vernunft und Glaube nebeneinander bestehen können. Weder die Schriften des Alten Testaments noch die des Neuen Testaments dürfen als Geschichtsbücher gelesen werden. Bestenfalls gibt es geschichtlich verbürgte Spuren, die auf die Quellen der biblischen Geschichten verweisen. Jede dieser Geschichten enthält einen Hinweis auf Erfahrungen von Menschen mit Gott; dieser Aspekt macht ihren Wahrheitsgehalt aus. Die Menschen im vorderen Orient haben auch heute noch die Neigung, Geschichten zu erzählen, wenn sie etwas Erfahrenes klarmachen wollen. (Rafik Schami bietet dafür einen überzeugenden Beleg).
Wenn also wir Heutigen von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus biblischer Zeit erfahren, dann hat das sicherlich nichts mit dem Zeugnis der Bibel zu tun. Daraus folgt, dass wir bis heute darum ringen, was uns denn die biblischen Erzählungen zu sagen haben. Ich meine, es zieht sich wie ein roter Faden die Botschaft hindurch: wie Gott uns führt, wenn er uns führt, ist für uns unverständlich. Das war auch wohl der Grund für eine ältere Freundin, als Lebensmotto zu sagen: Gott, ich verstehe dich nicht, aber ich vertraue dir!
Du wirst sicherlich Freundschaft und Liebe niemals beweisen können. Das ist auch gut so. Ob es einen Gott gibt, ob er in Jesus Mensch geworden ist, wird sicherlich immer unbeweisbar bleiben. Immer werden Menschen die Zeugen für Gottes Wirken in der Welt von heute sein, und immer wird ihre Botschaft von einem Akt des Vertrauens getragen sein.
Ich kann dir nicht beweisen, was ich glaube, aber wenn ich dir etwas bedeute, dann ist dir mein Glaube nicht gleichgültig.
Und dennoch können wir beide uns vollkommen einig sein über wissenschaftliche Erkenntnisse und deren Gültigkeit. Somit beeinflussen Glaube und Wissen sich nicht gegenseitig; vielmehr begegnen sie sich hoffentlich immer mit Respekt, gegenseitiger Achtung und Toleranz.
Ich freue mich auf das nächste Gespräch mit dir
herzlich grüßt
Eberhard

Bundesverfassungesgericht

Bei Gott! Eine Säule der Demokratie!
Unangefochten jedoch war es nie!
Nimmt Stellung bis heute zu jedem Gesetz,
Das möglicherweis die Verfassung verletz.
Ein jeder Bürger es anrufen kann,
Soweit es begründet hat Frau oder Mann.
Vor ihm nur das Grundgesetz hat Bestand:
Es reicht ihm die hermeneutische Hand.
Reicht in den Anfang des Staates zurück -
Folianten von ihm sind meterdick -
Angesichts einer förmlichen Flut
Sorgt sich so mancher: das ist nicht gut!
So kann aktuell kein Gesetz bestehen
Und immer öfter ist es geschehen:
Nach seinem Urteil Gesetze sind nötig.
Ganz anders die Bundesrichter sind tätig,
Sei ein Gesetz nicht verfassungskonform,
Geben sogar sie Verbesserungsnorm!
Eigen ihr Urteil ist, unabhängig,
Reden und Schreiben ist spröde, kaum gängig!
In den Parteien oft hört man das Wort:
Chance zur Gesetzgebung? Nur noch dort!
Hoch ist zu preisen dennoch das Gericht!
Tatkräftig verteidigt´s Verfassungsgewicht!

Unterschiede evangelisch-katholisch

Gemeinhin hört man Stereotypen, wenn man mal über dieses Thema ins Gespräch kommt: die Katholiken beten Maria an und müssen sonntags in die Messe, Protestanten dagegen können am Sonntag im Bett bleiben und sind sehr viel demokratischer organisiert: Sie haben keinen Papst, stattdessen einzelne Gemeinden. Auch wenn man zufällig die Kontroversen in den Medien verfolgt, werden in der Regel nur zwei Aspekte angesprochen: protestantische Pfarrer dürfen heiraten, katholische Priester dagegen müssen ehelos bleiben. Zum Abendmahl im evangelischen Gottesdienst ist jeder Christ eingeladen, zur Eucharistiefeier in der katholischen Messe sind nur Katholiken zugelassen. Begründet wird dies mit dem unterschiedlichen Abendmahlverständnis zwischen Katholiken und Protestanten (nach katholischem Verständnis werden Brot und Wein in der Eucharistiefeier tatsächlich zu Leib und Blut Jesu; die Protestanten glauben an einen symbolischen Akt, an ein Erinnerungsmahl) und mit dem unterschiedlichen Amtsverständnis (katholische Priester führen ihr Amt in ununterbrochener Folge auf die Apostel zurück und werden vom Bischof eingesetzt, während evangelische Pfarrer von der Gemeinde gewählt werden können). Und fast jeder weiß – auch dafür haben die Medien gesorgt – dass die katholische Kirche “künstliche Mittel der Empfängnisverhütung” ablehnt.
Ein wesentlich tiefergehender Aspekt der Unterscheidung trifft das Gemeindeverständnis der beiden Konfessionen: Protestanten stehen mit ihrer Glaubensüberzeugung direkt dem dreieinigen Gott gegenüber, von dem sie glauben mit der Taufe angenommen zu sein, während Katholiken eingebunden sind in ein System von Mitverantwortung und Solidarität: die gemeindliche Fürbitte hat einen hohen Rang und ebenso wichtig sind Jesu Mutter und Heilige, ggf. auch Namenspatronen als Fürsprecher vor dem Thron des dreieinigen Gottes. Allerdings würde Luther – der Reformator – sehr unglücklich sein, wenn er sähe, wie gering der Gottesdienstbesuch evangelischer Christen am Sonntag ausfällt und wie wenig evangelische Christen von der Beichte, die es auch in der evangelischen Konfession gibt, Gebrauch machen! Zwar geht auch die Zahl der Gottesdienstbesucher unter den Katholiken zurück, aber die Tradition oder Gewohnheit versammelt die Überzeugten doch jeden Sonntag in der Messfeier. Auch die Anzahl der Sakramente in den beiden Konfessionen ist unterschiedlich: evangelische Christen kennen Taufe und Abendmahl (nur diese Sakramente hat Jesus nach biblischem Zeugnis selbst eingesetzt), während die Zahl der Sakramente sich wie ein roter Faden durch das Leben katholischer Christen zieht: Taufe,  Firmung, Eucharistie (Abendmahl), Ehe, Weihe (zum Diakon, Priester, Bischof), Beichte und Krankensalbung. Die katholische Kirche kennt noch eine besondere Art der Gebetsmeditation: das “Gegrüßet-seist-du-Maria”, wofür manche katholischen Christen eine Perlenkette (den so genannten “Rosenkranz”) bei sich tragen, um die einzelnen Perlen bei jedem Gebetsteil durch die Finger gleiten zu lassen.
Das “Bodenpersonal” Christi kann in beiden Konfessionen vorbildhaft oder überaus menschlich sein; auch Erfahrungen mit Willkür und Engstirnigkeit machen vor keiner Kirche halt. In diesem Punkt sind sich die beiden Konfessionen sicherlich gleich.
Ich habe diesen Text geschrieben, weil ich bedaure, dass Konfession und Religion vielen Menschen gleichgültig sind.