EU-ein Bollwerk gegen Flüchtlinge

Wahrlich, ich schäme mich, Europäer zu sein! Europa leistet sich an seinen Rändern Lager mit unerwünschten Ausländern! Die gesetzliche Grundlage dafür legten die Innenminister der EU-Länder mit ihrer Verordnung “Dublin II”, nach der nur in dem Land Asyl beantragt werden kann, in dem man europäischen Boden betritt. Otto Schily wusste genau, warum er so erbittert für diese Verordnung kämpfte. Deutschland war damit auf einen Schlag Asylbewerber los.
Der Anlass für meinen Text war die Lektüre des Dossiers in der aktuellen ZEIT- Nummer 6/2010 über den Kinderknast von Lesbos. Die Zustände in diesem Gefängnis, in dem überwiegend afghanische Kinder zu hunderten eingekerkert sind, spotten jeder Beschreibung! Diese Zustände erinnerten mich an das Flüchtlingslager auf der italienischen Ferieninsel Lampedusa, wo vorrangig afrikanische Flüchtlinge unter erbärmlichen Umständen interniert werden. Dass die Kinder kaum Möglichkeiten erhalten, ihre Fluchtgründe vor sprachkundigen und wohlwollenden Richtern oder Sicherheitsbeamten darzulegen, dass sie mit ihren Schlauchbooten im Gegenteil häufig schon vor ihrer Landung ins Schlepptau von Schnellbooten der griechischen Marine genommen und wieder zurück in türkische Gewässer gezogen werden, wo ihre Boote womöglich noch schwimmunfähig gemacht werden, wenn die Kinder nicht auf unbewohnten kleinen Inseln ausgesetzt werden – all das zeugt von menschenverachtendem Zynismus, der kaum zu übertreffen ist. Wie hohle Phrasen wirken dagegen positive Voten zu globalen Menschenrechten, Unterschriften zu Gunsten von Flüchtlingskonventionen der UNO und lautstarke öffentliche Empörung über Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Staaten der Dritten Welt, in China oder in Mittelamerika. Natürlich können die Mittelmeeranrainerstaaten menschenwürdige Versorgung und Betreuung der Flüchtlinge nicht allein leisten! Aber die 27 Staaten sind seltsam uneins, wenn es um die gerechte und angemessene Verteilung der Flüchtlinge geht. Es scheint, als verfahre man nach dem Grundsatz: wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass! Es ist bequem, sich als human darzustellen, solange dafür gesorgt ist, dass keine unerwünschten Ausländer ins Land kommen, die die ohnehin unzureichenden Integrationsbemühungen noch stärker herausfordern! Wir sollten an der Stelle ehrlich sein: wenn wir wirklich der Meinung sind, dass wir keine Flüchtlinge aufnehmen können, dann sollten wir alle unsere militärischen Auslandseinsätze abbrechen und alle europäischen Grenztruppen verstärken! Und mit Waffengewalt alle ungebetenen Eindringlinge aus Europa fernhalten! Nur sollten wir dann auch bekennen, dass all unser Reden von Menschenwürde und Menschenrechten Lippenbekenntnisse sind, die mit unserem Handeln nichts zu tun haben! Auch unsere freiheitlichen humanen Demokratien werden unglaubwürdig, wenn es den Verantwortlichen nicht gelingt, internationale Vereinbarungen und konkretes politisches Handeln – in diesem Fall Asylpolitik – zusammenzubringen!

Fragen zum Jahreswechsel (nicht zufällig elegisch)

Wollen Afghanen überhaupt Volksherrschaft nach dem Vorbild
westlicher Demokratie, macht Militäraktion Sinn?
Kann man die Ideale nach westlichem Muster verpflanzen,
ohne korrupte Struktur ändernd, den Hanfanbau dort?

Warum bloß haben die Banken und Banker, die Gelder verwalten,
weltweit, so zeichnet sich ab, schrankenlos Zugriff auf Geld?
Warum nur lassen Finanzpolitiker sich das gefallen:
Hab´n sich die Herren verzockt, badet´s der Staatshaushalt aus,
Weltwirtschaftskrise schlägt durch auf Unternehmen und Firmen -
ist für das Nichtstun ein Grund, dass Politik trägt Mitschuld?

Warum ist Steuerersparnis hauptsächlich für Reiche geeignet:
Steuerberater und -recht holen die Steuern zurück?
Immobilienkauf und -bau ist kaum zu bezahlen -
so der Familie Sicht – wer gibt ihr denn noch Kredit?
Warum setzt Steuerfahndung nur an bei den “kleineren Fischen”,
Großbanken dagegen scheint´s, Großunternehmen tabu?
Warum beim Sparen im Haushalt des Staates nicht auch Subventionen 
werden gestrichen zugleich, Ehrenamt mehr Wert gewinnt?

Wäre es nicht Utopie, aufs innigst zu wünschen, wenn jeder
noch im Alter gesund, nähm eine Patenschaft an?
Wären nicht Großväter, Großmütter bestens zum Fördern geeignet,
lesend dem Kind vielleicht vor, kommend beim Lernen zu Hilf?

Energieverschwendung und Klimaerwärmung vermeiden, so heißt es -
warum bei Kälteeinbruch kriegt´s Auto zuerst freie Fahrt?
Warum der Vielfahrer wird, der Vielflieger nicht stärker genötigt
öfter zum Autoverzicht, weil die Verbrauchskosten hoch?
(Freilich: man darf nicht die beruflichen Fahrer bestrafen,
aber´s gibt Auswuchs genug, Fetisch scheint´s Auto zu sein!)
Einsicht, so weiß man seit langem, ist nur über Kosten zu steuern -
verdient nicht Ausbau allein öffentlicher Verkehr?
Warum der ständige Ausbau von Autostraßen im Lande,
warum stattdessen nicht längst ÖPV wird unterstützt?
Fahrradfahrn ist gesund und verbessert die Fitness des Bürgers -
warum die Städt man nicht sperrt gegen die Kfz-flut?

Warum, das scheint mir das Schlimmste, hält jeder und jede die Hand auf?
Sind wir nicht alle der Staat, alle drum für dessen Wohl
zuständig und verantwortlich, jeder jedoch auf den andern
schielt und wartet darauf, dass fürs Gemeinwohl der zahlt,
dem vermeintlich mehr Geld und mehr Macht und mehr Einfluss wohl zukommt -
warum soll ich denn was tun, wenn sich kein anderer bequemt?
Ob´s wohl in unserem Staat der Institutionen zu viel gibt -
wegschaun so einfach ist bloß, weil ich nicht zuständig bin?
Sind wir nicht alle Staatsbürger und tragen Verantwortung dafür,
dass unsere Demokratie lebt – über “Tellerrand-Blick”-?
Sind doch nicht nur die Gewählten zuständig, was ist mit uns allen?
Jeder und jede im Staat kann doch für andere was tun?

Warum ist Hinschauen nicht die Devise, wenn etwas rechtswidrig?
wenn etwa jemand Gewalt übt gegen Sach´ oder Mensch?

Grober Unfug, oder?

Leben und Handeln, was wem in den Sinn kommt, so scheint die
Devise,
schaut man den Unfall sich an, der im IC heut geschah:
Plötzlich und unerwartet der Bordlautsprecher uns mitteilt,
dass ein gezielter Steinwurf just den Bistrowagen traf.
Leider, so muss ich gestehen, ich mutmaßte Kinder als Werfer,
schämte zugleich mich jedoch dies Grundlos-Stereotyps.
Tatsache bleibt und bedrückt mich: der Wurf war gezielt ohne Zweifel,
ohne Verursacher nicht trifft eine Scheibe ein Stein.
Schwerer noch wiegt, dass das Ziel, der IC-Bistrowagen
beschädigt -
Absicht also liegt vor, Treffsicherheit obendrein.
Glück im Unglück, dass ich in Hannover den Anschluss erreichte,
sonst hätt an diesem Tag ich schwerlich das Fahrziel erreicht.

Unbehagen und Sorge mir bleiben: wer mag so was machen?
Wen trifft Verantwortung denn für solchen mutwill´gen Wurf?
Alle die Reisenden in dem IC, die wolln heute noch weiter
reisen mit Umsteigezeit, bremste der Täter doch aus!
Was für Ärger, für Unfrieden, Sorgen und andere Folgen
wird am Ende wohl stehn, wenn bilanziert wird die Fahrt?

Wichtig erscheint mir, dass richterliche Verfolgung und Strafe
diesen Täter ereilt, welchen Geschlechts er auch sei.
Hätte er doch auch Personenschäden verursachen können -
etwa durch splitterndes Glas, das träf Personen mit Wucht.
Schwer allerdings dürfte sein die Schuldige-Täter-Ermittlung:
dämmrig vor Nienburg schon war´s, als der besagte Stein flog.

Frauenrechte

Wenn mir ein Mann von Frauenvorteil klagt
und ernsthaft Neid und Ärger an ihm nagt,
dann habe ich ihn erst einmal gefragt,
ob keine Frau ihm je gesagt, wie sie geplagt.

Noch immer leiden Frauen auf der Welt
an Willkür, die den Männern so gefällt;
durch die Scharia im Islam sind sie ihm unterstellt,
in Afrika noch tausende Beschneidung quält.

Noch immer sind die Männer Tonangeber,
obwohl die Frauen gelten als die Streber;
wo immer Frauenmacht regiert, als Heber
der Sitte und Moral, als Rechts-Beleber.

Auch mitten unter uns sind Frauen unterdrückt:
Sie tragen Kopftuch, sind oft ungeschickt
im Deutschen, und nur wenigen Bildung glückt -
kaum eine kennt ihr Recht, so “abgeknickt”.

Noch immer gibt es Männer, die verhauen -
misshandeln nennt man´s vornehm – ihre Frauen;
statt Hilf zu leisten liebt man´s, wegzuschauen,
doch, sei´n wir ehrlich: ´s müsst uns eher grauen!

Die Sprache, die wir brauchen, gilt dem Mann,
die Frauenformen sind Anhängsel dann;
wenn Frau nen Mannberuf ergreifen kann,
dann hängt man flugs das -frau, das -in daran.

Jedoch, zieht’s einen Mann in Frauberuf,
die Sprache rasch für ihn ein Nennwort schuf;
kein Hebammer, kein Krankenbruder zum Behuf
das Ausgleichs, Pfleger, -Helfer heißt der Ruf.

Die Kirche stellt die Frau ins zweite Glied,
denn oben stehn nur Männer, wie man sieht;
was in der Liturgie bis heut geschieht:
die Frau als Priester Jahrtausende man mied.

Nach offiziellem Vorbild darf sie dienen,
stellt engagierte Laien, “Arbeitsbienen”;
dass Jesus große Hilfe hatt´ an ihnen -
sogar Apostelinnen sind erschienen -

das ist vergessen und verdrängt schon lang -
Messdienerinnen sind zwar schon im Schwang,
nach dem Konzil der Theologenrang -
denn nur der Zölibat hat guten Klang.

Viel seltener Fraun als Männer Orden kriegen,
denn offiziell ist deren Leistung schwer zu wiegen;
so muss ein Bürgerorden denn genügen -
meist hat die Weihe: Bundesorden er erstiegen.

Drum, Männer, lasst die Frauen an die Macht!
Sie kämpfen nicht wie ihr in offener Schlacht,
sie nehmen sich und andere in acht
und haben selten Unfrieden gebracht!

China als Gast der Frankfurter Buchmesse

Chance ergäbe sich, hieß es, die unbekannte Kultur
eines der zahlenmäßig größten Länder der Erde
durch diesen Schritt des Börsenvereins in Frankfurt am Main
kennen zu lernen und vorhandenen Stereotypen
erfolgreich entgegen treten zu können und zu lesen,
was im heutigen Reich der Mitte gedruckt werden darf.
Hatte doch voriges Jahr auf Beschluss des IOC
Peking Olympische Spiele zu beispielhafter, starker
Imagewerbung genutzt, doch ohne die Pressezensur
und ohne die Unterdrückung öffentlicher Kritik
im mindesten einzuschränken: West Presse wurde behindert.
In den Stadien saßen nur handverlesene Menschen,
obschon im Nachbericht stand: ausverkauft Sportstätten warn.
Wen wundert’s, dass alle Autoren in Frankfurt, die China verlassen
hatten, geflissentlich ohne Gesprächspartner blieben
und jede missliebige Frage an offizielle Vertreter
ohne Antwort blieb und hintertrieben wurde.
Nun ist das Buch-Spektakel vorbei und gespannt sein darf
der interessierte Beobachter, ob die Messe und wie
in China sich auswirken wird, ob etwa nun kritische Schriften
oder Romane zum Leben der Ausgegrenzten, Verfolgten,
beispielsweise aus Tibet oder aus sonstwie geächteten
Räumen oder Religionen veröffentlicht werden.
Alles bleibt wie bisher, so meine skeptisch Prognose.