Gedanken zum Köhler-Rücktritt

Heimlich, noch unbekannt, als Kandidat vorgeschlagen
 und gegen Schwan und Sodann wider Erwarten gesiegt;
Ohr bald und Auge und Herz am Denken und Fühlen des Volkes:
 Präsident, wie es bald hieß, der unsre Sorgen versteht!
Reden und Handeln des neuen Mannes im Schloss Bellevue schien
 aufmerksam, intuitiv, zeugend von kritischem Geist.
Stets betonte er Verantwortung als die Verpflichtung,
 sich ums Gemeinwohl zu mühn, stützend die Demokratie.
Typisch für seine Amtsführung war auch die Auszeichnung von Frauen:
 Hinter nem Mann, engagiert, gäb´s stets die Frau, die ihm hilft!

Konsequent gab er vielen Frauen das Bundesverdienstkreuz,
 konnte verhindern jedoch nicht, dasss zweierlei Maß
Ordensverleihung von Männern und Frauen bestimmte,
 Frauenquote gering blieb und zufällig oft.
Eine zweite Amtszeit ward ihm bravourös zugesprochen:
 diese entpuppte sich bald krisengeschüttelt wie nie!
Hoffnung auf kooperierende Kräfte zwischen Parteien
 lief ins Leere wie auch, dass sie ihn fragten um Rat.
Leider im Interview nach Kabulbesuch sprach im Flugzeug
 missverständlich er aus: Freihandel rechtfert´ge Krieg
Einschränkend hatte er “auch” und “notfalls” dazu noch geäußert,
 aber “Grundgesetzbruch!” und “Lübke II!” man gar schrie.
Rücktritt war vollends ein Grund, die Eignung ihm abzuerkennen:
 bundespräsidial halte man aus wohl Kritik!

Frage drängt sich nun auf nach der Rolle des Staatsoberhauptes:
 unabhängiger Kopf oder politisch versiert?
Richtig betrachtet handelt hier ein gefühlvoller Mensch konsequent wohl:
 seine Würde er wahrt, schützt seine Integrität.
Oh, wie wünschte ich mir, dass nun in der Bundesversammlung
 würde gewählt Achim Gauck statt des Parteisoldats Wulff!
Nicht verhehle ich mir die verheerende Wirkung auf Merkel:
 taktische Spielchen nicht mehr! Führung ist jetzt angesagt!
Teuer wär mir das Zeichen, es kündete Reste von Hoffnung:
 dass die Menschlichkeit siegt gegen das Spiel mit der Macht!

Lob des Fahrrads

Fahrrad, du mein liebes Tretmobil,
spendest ganz besondres Weltgefühl;
du trainierst des Treters Muskelspiel
und schenkst Radlern Sinngenüsse viel.

Allerdings liebst du auch die Gefahr -
Radlerköpfe sind der Helme bar,
außer sie sind Kleinkinder fürwahr
oder Stürze hab´n bekehrt sie gar.

Höhenunterschiede sind ein Greul,
ist die Radlerin einmal in Eil -
außerdem noch niemand bietet feil
eine Bremsleucht´ als Verkehrsschutzteil.

Radelst du an Straßen mal entlang,
sei dort immer vorsichtig, ja bang:
häufig stört, dass Autos Überschwang
aus der Nebenstraße in die Radbahn drang.

Relativ sind sicher Radlerspuren,
die abständig von der Straße fuhren;
doch sie bessern kaum Rowdykulturen:
immer Autos gibt´s, die Radweg´ überfuhren.

Aber ist die Gegend glatt und eben,
lässt´s sich da als Radler sehr gut leben:
überall kann er dazwischen schweben,
wo die Autostaus vor Wut erbeben.

Doch noch immer “Auto” wird gedacht,
wenn Verkehr geplant wird. Gebt doch acht,
dass viel mehr für Radler wird gemacht!
Segen für die Umwelt Tag und Nacht!

Schließlich fehlt hier noch der Schlussappell:
Alles geht doch heute viel zu schnell!
Die Entschleunigung ist rasch zur Stell:
Radle ohne Wetterrücksicht! Gell?

Missbrauch

Missbrauch füllt täglich Zeitungsspalten:
Man wird in Spannung so gehalten
und das Interesse nicht erkalten
wird bestimmt, das ist garantiert,
wenn Kirche den Skandal anführt.

Dabei macht sich wohl keiner klar,
dass Missbrauch familiär stets war,
dass Opfer waren Kind und Frau-
die Zahl weiß man nicht mal genau! -
die nach dem Missbrauch warn entehrt-
egal von wem – auch wenn gewehrt
Sie hatten sich, sie warn nichts wert.
Die Ihren haben sie verstoßen:
Sie konnten froh sein, mit dem bloßen
Dasein dem Grauen zu entrinnen;
verständlich, dass manchmal von Sinnen
die Armen sich dann selbst entleibt,
weil ihnen nichts mehr übrig bleibt
als schlimmstenfalls Prostitution -
und welcher Mensch wählt die Option?

Und wie hat man sich vorzustellen
nun einen von den Missbrauchsfällen?
So wird ein Mädchen oft missbraucht:
der Vater, Onkel, Pate haucht
Ihr leise lächelnd mal ins Ohr:
schieb doch mal rasch den Riegel vor!
Und was sich dann zu zweit ergibt,
dafür er ihr die Schuld zuschiebt:
Sie hab sich förmlich angeboten,
herausgekitzelt mit den Pfoten…
auch soll sie halten es geheim
und wenn sich fruchtbar weist der Keim,
so findet sich ein Helfer noch,
der ausschabt, was kroch in das Loch;
und bleibt sie dadurch unfruchtbar
und klagt darob, dann ist’s nicht wahr!
Das bildet sie sich ja nur ein!
Er kann das nicht gewesen sein!

Herr Westerwelle, was wird aus der Außenpolitik?

Lieber Herr Westerwelle,
über all dem Medienrummel um Hartz IV, den Sie angezettelt haben, scheinen Sie ganz das Amt zu vergessen, das sie innehaben! Auf zwei dringende “Baustellen” möchte ich Sie hinweisen:
1.: Israel scheint aus der Sicht der Bundesrepublik geradezu einen Freibrief zu genießen, der es von aller Kritik freistellt. Dabei kommt es – wie jüngst im Fall des Mordes durch den israelischen Geheimdienst – immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen, ja zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Die Trennmauer, die die palästinensischen Gebiete von den israelischen Siedlungen abtrennt, schafft Fakten, die schon jetzt eine eigenständige wirtschaftliche Entwicklung der Palästinensergebiete unmöglich macht. Die wachsende Zahl von israelischen Kontrollstellen – angeblich zum Schutz der Siedler – eingerichtet, führt zu Willkürakten der israelischen Armee, immer wieder zu Übergriffen gegenüber der Zivilbevölkerung, wenn nicht sogar zu Drangsalierungen oder zu Gewalttätigkeiten, die dann gewöhnlich mit palästinensischen Provokationen begründet werden.
Gegen eindeutige Vertragsvereinbarungen und UNO-Resolutionen setzt Israel die Siedlungspolitik auf den Golanhöhen und im Westjordanland fort, macht durch bürokratische Vorschriften und Willkürakte die arabischstämmigen Bewohner Ostjerusalems zu Menschen/Bürgern zweiter Klasse und prolongiert völlig ungerührt durch ausländische und inländische Proteste seine Expansions- und Unterdrückungspolitik auf Kosten der Palästinenser.
2.: Die Bundesrepublik hat sich gegenüber dem außereuropäischen Ausland erfolgreich eingeigelt und mit dem Schengener Abkommen die Asylproblematik im Inland fast gegen Null gesenkt. Die ungerechte Lastenverteilung innerhalb der EU stinkt zum Himmel: Griechenland, Italien und Spanien sind die Hauptanlaufziele für Asylsuchende aus Afrika und Mittelasien. Da Deutschland sich von europäischen Nachbarn umgeben weiß, kann – außer über den Luftweg – kein Asylant mehr in der Bundesrepublik Asyl beantragen. Zudem entsprechen die von ihrem Amt an die Asylprüfstellen gegebenen Dossiers über die innenpolitische Stabilität in den Herkunftsländern, wie von Pro Asyl nicht selten festgestellt, nicht immer den Realitäten. Wie sonst wäre das Element in den Kosovo abgeschobenen Sinti und Roma zu erklären, die wie eh und je einem massiven fremdenfeindlichen Ressentiment ausgesetzt sind, von gewalttätigen Übergriffen ganz zu schweigen.
Man merkt wenig von Ihrer liberalen Überzeugung – Mut wäre angesagt und annähernd so schrille Töne wie neuerlich zu Hartz IV. Was in Israel und in der Asylfrage in Deutschland geschieht, tritt freiheitliche Prinzipien mit Füßen!
Es wäre Zeit, sich in Ihr Amt als Außenminister ähnlich liberal und auf Menschenrechte bedacht zu bewähren, wie Sie es im Innern stets betonen! Oder sind Sie wirklich nur an ihrer eigenen Popularität interessiert?
Es gibt in Ihrer Partei genügend Vorbilder, an denen Sie sich messen könnten! Und in Ihrem Amt gibt es genügend Herausforderungen! Beweisen sie Ihre Tatkraft als liberaler Politiker auch in diesen drängenden außenpolitischen Feldern!
Dies wünscht sich mit hoffnungsfrohen Grüßen
Eberhard Ockel

Sex in der Kirche

Man zieht immer wieder mit Häme
her über die Kirche: dass sie sich nicht schäme
und spricht ihr ab Zuständigkeit:
Sie weiß über Sex viel zu wenig Bescheid!

Meist vermischt man dabei zwei Sachen:
dass Kirche die Gläubigen warnt, Sex zu machen,
beruht auf tiefem Verständnis von Leben:
wer liebend vereint sich, will ganz sich hingeben,
und wie niemand je auf Probe liebt,
sich vielmehr im Herzen für immer hingibt,
so ist Paar-Gemeinschaft auf Dauer
nur denkbar begründet vor Öffentlichkeit,
und Heirat ablehnen heißt Mauer
errichten ums Paar – und auf Zeit.

Jedoch ist der kirchliche Argwohn Problem,
der zuschob der Frau die Ursünd vordem,
der folgte platonischen Thesen:
Geist, Körper – so können wir lesen -
schon immer in Konkurrenz stehen;
der Geist strebt in schwindelnde Höhen,
während der Körper ihn stets zieht hinab
und wirkt womöglich dem Geist das Grab.
Daraus hat Kirche schon früh konstruiert:
der Sex ist sündig, weil Lust man verspürt,
und Beischlaf nur diene der Zeugung von Kindern
im Rahmen der Ehe;
und sobald man sehe
die Zahl der Kinder etwa zu mindern,
greife man ein in den Schöpfungsplan
und mache sich somit selber zu Sündern.

(Womöglich gelang es diesem Wahn,
Heilige Eh´leut bis heut zu verhindern?)

Die Keuschheit geistlicher Berufe
erklärt sich ganz sicher aus solchem Behufe;
und das erklärt das Dilemma vielleicht,
das Zeitungsschlagzeilen bewirkt und erreicht:
Vertrauen in Priester und Patres verloren,
die Jungen und Mädchen zum Missbrauch erkoren!
Wem soll man noch glauben, wem darf man vertrauen,
wenn Bischöf´auf Schonung der Täter nur schauen?
Vertuschen, dass Homo- und Pädophilie
sich ganz wie auch sonstwo entfalten und wie!
Grad unter dem Mantel der Keuschheit sind sie,
die Priester, gefährdet, doch überprüft nie!
Drum Zeit wird´s, dass hier die Vernunft sich stellt ein
und Kirche zu Sexvorurteilen sagt nein
und öffnet sich neuer Erkenntnis sofort,
sagt Schwulen und Lesben ein Segenswort,
bekämpft Missbrauchsfälle an jeglichem Ort,
dass Pfarrer und Patres, ob hier oder dort,
die Kinder missbrauchen, verhaftet sofort
und angeklagt werden nach Recht und Gesetz -
das würde Vertrauen vermehren, ich schätz.