Distichen/Elegien/Xenien aus der Corona-Zeit

Lehre aus extremer Zeit

Sonniges lockt uns hinaus und dennoch sind tot fast die Straßen,
Leben, gesellig und bunt, infektionshalber verdammt.
Kontrolliert wird die Maßregel streng, es drohen Bußgelder,
wenn gar jemand es wagt, nah beieinander zu stehn
gruppenweise sogar; ein Altenwohnheim besuchen
darf selbst Verwandtschaft nicht mehr, Risikogruppen, so heißt's,
seien zu schonen, das löst aus gewiss stille Tränen Betroff'ner
die als Gefangene fast in ihren Zimmern ausharr'n.
Tröpfchen, so heißt es, befördern die Ansteckung weiter und drum auch
braucht es den Abstand vom Mensch zu andern Menschen genau.
Schlangen, die warten auf Abfertigung, sie dehnen sich manchmal,
und man kauft gern ein Trikot, auf dem steht: bitte Abstand!
Willkommen neue Moral und Hilfsbereitschaft in der Breite:
Alte bestelln per Notruf, Junge beliefern sie gern.
Hoffentlich lernt die Regierung daraus: mit Gesundheit verdienen,
gar Fallprämien zahln, wie es derzeit geschieht,
führt, wie man sieht, zu Sparsamkeit bei den Gehältern, und sparen
heißt, wie die Wirtschaft uns lehrt: wegrationieren sofort!
Schwestern und Pfleger am Limit, das kann doch nur heißen:
ökonomisch ist nur, was bringt Geld dem Betrieb!
Konnte man staunend doch hören, die Eingriffe würden sich häufen,
doch es sei durchaus nicht klar, ob sie notwendig auch stets.
Darum fehlte die Zeit allenthalben, dem Mensch sich zu widmen!
Bitter rächt es sich jetzt, wo die Pandemie droht.
Umdenken heißt das Gebot der Stunde, dem Mitmensch soll gelten,
was wir denken und ihm und auch ihr gelte das Tun!
Überwiegend die Last dieser Wochen liegt mal wieder auf Frauen:
unwichtig gilt, was sie tun, schlecht bezahlt obendrein!
Hohe Zeit ist's, ich denke, dass Nachbarschaftsfürsorge Raum greift,
jeder und jede für sich nicht lebt und handelt und denkt.
Solidarität und Gemeinsinn, sie stützen die Demokratie pur,
Freiheit sie garantiert bloß, wenn diese Rücksicht einschließt.
Wertschätzung, Achtung für jeden und jede, auch geflüchteten Menschen,
Wahlverwandtschaft bietet an, wo findet Mensch sonst kaum Halt.
Weißt du, wer um dich rum lebt? Weißt du, wer ohne dich darbt?
Weißt du wo außer dem Heim Not herrscht, weil du konsumierst?
Lerntest du deinen ökologischen Fußabdruck kennen?
Wie reagierst du darauf? Brauchst du all das, was du kaufst?