Was macht den Wert des Menschen aus?

Angesichts der weltweiten Fluchtbewegungen und der nationalen Ängste ist die Frage mehr als berechtigt:
Ist es die Fahne, die ihn in eine staatliche Struktur einbindet?
Ist es der Ausweis, der Pass, der die nationale Zugehörigkeit bescheinigt?
Ist es die Geburtsurkunde, die Name und Ankunft auf der Erde besiegelt?
Ist es womöglich sein Kapital-Vermögen?
Ist es sein Outfit, seine Kleidung? Ist es sein Aussehen?
Was bleibt, wenn all dies verneint wird?
Wer kümmert sich um das Leben eines Menschen, der in seinem Land nicht mehr leben kann? Verfolgt wird? Massiv am Leben gehindert? Vom Tod bedroht?
Wer gewährt ihm Asyl?
Wer versteht ihn, hilft ihm und gewährt ihm neue Heimat?
Wer unterstützt ihn beim Bildungs- und Berufsweg, bis er auf eigenen Füßen steht?

Ist nicht jeder Mensch ein einmaliger Entwurf mit Talenten und Möglichkeiten?
Was kann er dafür, dass er unter bestimmten Bedingungen und Chancen so geworden ist? Was kann ich dafür?
Ist seine kulturelle Prägung nicht eine Chance in der Begegnung?
Welcher Reichtum erwächst mir in dieser Begegnung?

Muss die Sprache zur Barriere werden? Kann mir in der Begegnung nicht meine Sprache im Blick des anderen Menschen neu kostbar werden? Welche Möglichkeiten des Klangs und Ausdrucks bietet die fremde Sprache? Und meine im Vergleich?
Kann ich nicht ganz neue kreative Methoden zum Verstehen entwickeln?
Kann mir nicht der Kontakt zur Kultur des anderen zur Quelle werden?
Kann mir nicht dieser Einblick erst die eigene Kultur neu und kostbar aufscheinen lassen?
Ist der Andere/die Fremde nicht immer wieder Anfrage, Herausforderung?

Gehe ich auf den Anderen, den Fremden zu? Überwinde ich die eigene Scheu?
Stelle ich mich ihm entschlossen mit meiner Zeit zur Verfügung?
Was kann ich, was er braucht? Was habe ich, was ich teilen kann?
Bin ich bereit, meine Tür für ihn zu öffnen?
Bin ich bereit, Pate, Wahlverwandter zu sein - mit allen Risiken?
Bin ich bereit, Verantwortung, auch finanziell, für ihn zu übernehmen?

Wie reagiere ich auf abschätzige Bemerkungen über Flüchtlinge?
Erlebe ich sie wirklich als Schmarotzer? Als Armutsflüchtlinge?
Bin ich bereit, mir ein differenziertes Bild von Flüchtlingen und Fluchtursachen zu machen? Habe ich Angst, meine tiefverwurzelten Vorurteile zu hinterfragen?
Lasse ich Flüchtlinge überhaupt an mich heran? Gehe ich auf sie zu?